Feiernaustausch Dresden

Die Jugendweihe Feiern in Dresden finden an mehreren Veranstaltungs-Locations statt. Ich durfte im Boulevardtheater Dresden eine dieser Feiern miterleben und werde Euch nun einen kurzen Eindruck davon vermitteln.Das Boulevardtheater Dresden ist modern eingerichtet. Der Saal, in dem die Feierlichkeiten stattfinden, ist in einem angenehmen Blauton gehalten. Die Decken des blauen Saals sind golden und mit Beleuchtungselementen  verziert.
Ich habe als  Hamburger bisher nur an Feiern in Hamburg mitgewirkt und kannte daher nur die Laeiszhalle (ein altes, aber prunkvolles Konzerthaus). Somit ist ein Theater als Veranstaltungsort  eine gänzlich neue Erfahrung.

Als dann endlich alle stolzen Eltern, Großeltern und Freunde ihre Plätze eingenommen haben, verdunkelt sich auch schon der Saal und Crystel Pond von Imaginary Softwoods wird eingespielt. Ein äußerst aufgewecktes Moderatoren Team betritt die Bühne und beginnt die Veranstaltung einzuleiten.

Die Moderator*innen leiten die Vorstellung treffend damit ein, das Leben mit dem Theater zu vergleichen: „Die Teenager-Zeit ist wie die Genrealprobe für das Leben, vieles geht schief und drunter und drüber“. Ein einleuchtender Vergleich, dem es spielend gelingt die Brücke vom Publikum zum Thema Theater zu schlagen.

Die Bühne selbst ist mit einem glitzernden Vorhang im Hintergrund, Blumengestecken und einem Banner geschmückt, welches durchaus ESC tauglich wäre.  Der Gesamteindruck ist ein wenig kitschig, aber trotzdem schön.

Während ich meinen Blick noch nicht ganz von dem glitzernden Vorhang im Hintergrund lösen konnte, lief die Feier natürlich schon weiter. Das amüsante Moderatoren*innen-Paar erzählt vom Erwachsenwerden und was das alles mit sich bringt: Neue Gefühle, schwierige Entscheidungen, die getroffen werden müssen oder Behördenbesuche.

Die Feier ist insgesamt auf ein junges Publikum ausgerichtet, durch die moderne Gestaltung der Bühne und das humorvolle Moderator*innen-Paar. Auch die Art und Weise des Paars, uns durch die Feierlichkeiten zuleiten, lässt die Zeit schnell verfliegen.

Es folgt ein „musikalischer Rundumschlag“, ein „Remix“ von aktuellen POP-Songs, die die Moderatoren aus voller Kehle mitsingen.

Nun ist der Moment gekommen, in dem die ersten Absolvent*innen aufgerufen werden. Die jungen Frauen betreten in hohen Absätzen und wunderschönen Abendkleidern, von Dunkelrot bis Türkis und Weinrot, die Bühne. Natürlich dürfen die jungen Männer nicht fehlen, die ebenso elegant, unter anderem in klassischen, schwarz-weißen Smokings mit Fliege oder Krawatte, die Bühne betreten. Dies ist wirklich einer der Aspekte, in dem sich alle Jugendweihe-Feierlichkeiten ähneln, dieser wunderschöne Aufruf der jungen Erwachsenen mit ihren ebenso herausgeputzten Familien.

Außerdem werden während der Übergabe der Bücher und Blumen, Zitate aller möglichen Künstler, Philosophen, Schriftsteller oder Politiker vorgelesen, von Konrad Adenauer bis Marc Twain.

Überall wo ich hinsehe, sieht man weinende und stolze Eltern, die jubeln, wenn ihre Tochter und/oder ihr Sohn aufgerufen werden.

Weiter folgt eine kleine Show. Eine Oma wird in einem Sessel auf die Bühne gezogen und nimmt auf einer persönlichen Ebene Bezug auf den ewigen Konflikt zwischen den Generationen, begleitet von emotionaler Piano Musik. Das Publikum, wie ich, steht den Tränen nahe (aber wer mich kennt, weiß, dass ich etwas nah am Wasser gebaut bin). Es ist dennoch eine berührende Show.

Als schließlich die nächsten Absolvent*innen stolz die Bühne betreten, fällt mir eine Dame neben der Bühne auf, die alles Gesagte auf Gebärdensprache übersetzt, großartig! Eine wirklich tolle Idee, die ich auf jeden Fall mit nach Hamburg nehmen werde.

Nach dem die letzten Absolvent*innen die Bühne verlassen haben, betritt das Moderator*innen-Paar wieder die Bühne und geht noch einmal auf das Thema des Abends, das Erwachsenwerden, ein. Diesmal aber mit einem Appell an die jungen Erwachsenen, denn Erwachsensein heißt auch an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Die Frauenrechte, Rechte für Homosexuelle oder Toleranz für Menschen aus anderen Kulturen und Religionen, sind hohe Güter, welche bewahrt werden müssen und nicht als selbstverständlich angesehen werden können!

Mit aufmerksamer Spannung lauscht der Saal den beiden und auch den beiden Absolventinnen, die danach die Bühne betreten und ihre Rede mit den Worten: „Gegenseitiger Respekt und Liebe ist die perfekte Basis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen“ beenden.

Zum Schluss kommen alle Absolvent*innen noch mal auf die Bühne und die Beleuchtung zeigt was sie kann, mit einem bunten Lichterkonzert, begleitet vom Song „Wir können Giganten sein“, den die beiden Moderator*innen natürlich wieder aus voller Kehle mitsingen – ein wirklich schöner Abschluss.

Die Feierlichkeiten in Dresden unterscheiden sich grundsätzlich von denen in Hamburg. Während man in Hamburg noch viel Wert auf hanseatische Etikette legt, empfand ich die Feier in Dresden als etwas moderner. Aber auch eine Hanseatische Etikette kann man ja modernisieren und ich denke, das ist etwas, was wir in Hamburg in den nächsten Jahren sowieso erleben werden und ich bin gespannt, diese Entwicklung mitzuerleben.

 

Was sagten eigentlich die Teilnehmer*innen dazu?  Besonders in Erinnerung geblieben ist natürlich der Blickfänger schlecht hin, der glitzernde Hintergrund der Bühne sowie der Gesang. Vor allem, weil die Lieder aktuell sind: „Das spricht uns natürlich mehr an als irgendwelche Lieder von vor 20 Jahren“. Darüber hinaus wurden die kleinen Schauspiel-Einlagen als lustig empfunden: „Das hat das ganze echt aufgelockert, nun bin ich echt mal auf unsere Feier in Hamburg gespannt“.

Auch Dresden kommt bei den Teilnehmer*innen gut an, vor allem die Semperoper hat sie schwer beeindruckt: „Überall diese vergoldeten Verzierungen und Figuren und dieser riesen Saal, einfach voll schön“. Zu unserem Glück ist auch das Wetter auf unserer Seite (Was man als Hamburger ja nicht so oft erleben darf), aber in Dresden haben wir durchgehend über 20 Grad und so können die Jugendlichen auch in Ruhe die alte, wunderschöne Altstadt erkunden (Frauenkirche, Zwinger und Co).
Die alten, barocken Prachtbauten haben die Jugendlichen schwer beeindruckt: „Wo man auch hinsieht Gold, Stuck und Prunk“.Am Samstagabend steht dann noch das entspannte Treffen mit der Jugendgruppe Dresden an. Das bedeutet vor allem erst mal Zuhören.

Für die Personen, die bisher nur Hochdeutsch gewöhnt sind, hört sich der sächsische Dialekt erst mal etwas seltsam an: „Die haben echt einen lustigen Akzent, sehr viel Ö“. Zum Glück konnten Instagram, Facebook und WhatsApp trotz Dialekt ausgetauscht werden.

Beim gemeinsamen „chillen“ auf einer Wiese mit Blick auf Dresden hatte man genug Zeit für einen sächsischen Crash-Kurs.

Alles in allem haben die Teilnehmer*innen unserer Fahrt sehr viel Spaß in Dresden gehabt. Dresden ist sehenswert, also zögere nicht lange, schnapp Dir DeineFreunde aus DeinemKurs und fahre mit ihnen nach Dresden.

Möglich macht es die Sachsen Fahrt oder der Feierstundenaustausch.

 

Henryk Fritz

(Lektorin, Laura Schoettge)