Hamburger Familientag 25.08.

Der Wecker klingelt um 7:00 Uhr. An einem Samstag. Die Augen sind verquollen und die Stimme rau. Die Routine, wie an jedem anderen Werktag… aber es ist immer noch Samstag. Duschen, Anziehen, Frühstücken. Dann geht es für mich auch schon zum Bahnhof.
Die Frage, ob das wirklich Not tut, dürfte an dieser Stelle berechtigt sein. Doch im Nachhinein lässt sich wohl zweifelsfrei sagen, ja, es tut Not und ja, es hat sich sogar gelohnt.

Meine Reiseziel: Der Hamburger Familientag. Eine jährlich stattfindende Großveranstaltung auf dem Hamburger Rathausplatz und in den erhabenen Hallen und Sälen der Handelskammer. Der Veranstalter beschreibt den riesigen Aufmarsch als „ein großes Kinder- und Familienfest mit vielen Attraktionen. Eltern können sich darüber hinaus über die Angebote zahlreicher Organisationen und Einrichtungen für Familien informieren und mit Experten über Fragen der Kindererziehung sprechen. Der Eintritt ist frei!“ (hamburg.de, 2018).
Mein Besuch dort ist allerdings weniger dem eigenen Vergnügen geschuldet. Ich werde vielmehr einen Stand des Jugendweihe Hamburg e.V. betreuen. Tatsächlich ist der Familientag mein allererster Termin im Namen der Jugendweihe. Ich habe mich erst vor kurzem dazu entscheiden, als Kurshelfer die Jugendweihe in Hamburg zu unterstützen und kenne bis jetzt…Niemanden. Es ist also auch für mich der Sprung ins kalte Wasser, den ich zudem auch noch mit sehr kurzem Schlaf bezahlt habe.
In Harburg treffe ich Sophie, meine Quasivorgesetzte und zwei weitere Helfer. Gemeinsam kommen wir um kurz vor Zehn am Rathausplatz an, werden, vom Regen angetrieben, in die Handelskammer gepeitscht, wühlen uns durch das hektische Treiben vieler engagierter Menschen, die noch eifrig ihre Stände zusammenzimmern und erreichen schließlich den Albert-Schäfer-Saal. Der größte Konferenzsaal der Handelskammer befindet sich im ersten Stock und entpuppt sich als ein recht stickiges Plätzchen von gemütlichen 305m². Am hinteren Ende des Saals steht er dann, der Stand der Jugendweihe Hamburg. Hier werde ich also die nächsten acht Stunden die Jugendweihe anpreisen und vertreten.

Innerhalb einer Stunde lerne ich schließlich auch die anderen Querdenker, Lisa, Henryk und Tamina, kennen. Selbst El Presidente Konny G. Neumann und die Geschäftsführerin des Jugendweihe Hamburg e.V. Edith Jacobs sind gekommen. Nach kurzem Kennenlernen und einer knappen Einweisung bin ich einsatzbereit. Um 11:00 Uhr beginnt der Familientag. Jetzt heißt es Aufstellung beziehen und Haltung annehmen. Mit Kugelschreibern und Flyern bewaffnet sowie einer Gummibärchenarmee galaktischen Ausmaßes im Rücken wird Werbung gemacht.

Anfangs hält sich das Interesse für den Stand zwar in Grenzen, aber mit fortschreitender Stunde wächst auch unser Publikum zunehmend. Das verantwortliche Zauberwort lautet wohl „Saft“. Oder vielleicht doch eher „Powerbank“.
In einem kleinen Ratespiel kann man nämlich Letzteres bei uns gewinnen. Dazu gilt es nur, aus einem kleinen Cocktail (natürlich ohne Bums) die vier richtigen Zutaten zu erraten (die richtige Antwort lautet übrigens: Kirschsaft, Kirschsirup, Zitronensaft und Ananassaft). Den Gewinnern dieses Spiels winkt dann der Hauptpreis: Die Powerbank, die mit 21,3 Litern Strom das Leben jedes Jugendlichen um zwei Akkuladungen verlängern kann.
Zwar haben wir von diesem Wunderwerk der modernen Technik nur 30 Stück auf Tasche, aber wie sich herausstellt, ist es gar nicht so einfach, alle Zutaten gleich beim ersten Versuch zu erschmecken. Sorry, not sorry. Für alle Anderen gibt es ja noch den Trostpreis, den offiziellen Jugendweihe Hamburg e.V. Turnbeutel, wahlweise in rot oder grün. Tränen gibt es also an unserem Stand keine.

Während sich also die Kinder an dem Ratespiel versuchen, nutzen wir die Zeit, um die Eltern über die Jugendweihe aufzuklären. Ich für meinen Teil habe sehr interessante Gespräche führen können. Dabei ist mir sehr schnell bewusst geworden, wie sehr der Verein von solchen Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit profitiert. Erstaunlich, wie ambivalent das Wissen um die Jugendweihe selbst in Hamburg noch immer ist. Aber genau dafür stehen wir ja mit unserem Stand hier. Mission erfolgreich!
Am besten gehen allerdings die Gummibärchen weg. Mein persönliches Highlight des Tages: Die dankbaren Gesichter der Eltern, die entweder ihren Kindern noch eine Süßigkeit mehr zustecken können oder sich aber die kleinen bunten Tierchen hastig selbst in den Mund schieben, bevor die kleinen Sprösslinge ihnen auch diesen winzigen Snack entreißen.

Der Familientag neigt sich schließlich dem Ende zu. Die Müdigkeit ist nicht nur den Besuchern anzusehen. Auch ich merke meine Füße schon seit zwei Stunden nicht mehr, als Lisa schließlich das Zeichen zum Aufräumen gibt. Um 18:00 endet der Hamburger Familientag. Der Stand verschwindet innerhalb weniger Minuten in den unzähligen Kisten und Kartons. Die Tische werden zusammengeklappt und weggezerrt. Der Pappaufsteller wird in seine Einzelteile zerlegt und in irgendeine Ecke verfrachtet. Schwer bepackt geht es jetzt zurück durch die fleißig aufräumenden Menschen. Alle Kisten ins Auto, Tür zu, kurz Tschüss sagen und ab zum Hauptbahnhof. Erst jetzt fällt mir auf, dass meine Bahn vor zwei Minuten gefahren ist. Klasse. Zum Glück leisten mir Tamina und Henryk auf dem Hauptbahnhof noch einige Zeit Gesellschaft, bis auch sie sich schließlich verabschieden und in ihre Züge steigen.
Mein Zug kommt. Die Türen gehen auf, ich steige ein. Die Fahrt geht schnell vorbei. Ab ins Auto und nach Hause. Ich kann zweifelsfrei sagen, ich bin erledigt. Das war er also, mein erster „Arbeitstag“ für die Jugendweihe. Mein Fazit: Es hat sich gelohnt. Aber so richtig. Nicht nur, weil ich tatsächlich angefangen habe, meinen Beitrag für den Verein zu leisten, sondern weil ich auch endlich einige meiner „Kollegen“ (wie soll ich es sonst nennen?) kennengelernt habe. Klasse Typen!

Liebe Grüße und bis zum nächsten Familientag

Matti Fischer